Duisburg (dapd-nrw). Es handelt sich dabei aber nicht um die Nachstellung einer mittelalterlichen Schlacht, sondern um die technisch anspruchsvolle und anerkannte Sportart Jugger, die sich wachsender Beliebtheit erfreut.

Das Ziel der beiden Mannschaften ist der Jugg genannte Spielball, der in der Mitte des Spielfelds liegt. Mit ihren mit Schaumstoff umwickelten Schlägern, die Pompfen heißen, versuchen sich die Teilnehmer gegenseitig auszuschalten. Nur ein Spieler pro Team, der Läufer, darf den Spielball mit der Hand aufnehmen. Die anderen versuchen, ihm den Weg freizumachen. Geschickt hält sich der Läufer hinter seinen Mannschaftskameraden auf, wartet auf die richtige Gelegenheit, schnappt sich dann den Spielball und befördert ihn ungefährdet ins gegnerische Platzierfeld, das nicht viel mehr ist als eine Kuhle im Boden.

Nach dem ersten schnellen Punkt gehen die Mannschaften wieder zurück auf ihre Ausgangspositionen am Ende des Spielfeldes. Nun gilt es, die Taktik zu besprechen und gegebenenfalls neu abzustimmen. Denn anders als es vielleicht scheine, sei Jugger vor allem ein taktischer Sport, erklärt Spieler Jan Osterkamp vom Duisburger Team Cervisa Ultima. 'Es ist ähnlich wie beim American Football.' Auch die Jugger sprechen sich ab, wer auf welchen Gegenspieler geht. Die Mischung aus Rugby und Nahkampfschlacht ist es, die die Spieler begeistert.

Seinen Ursprung hat der Sport Jugger in dem gleichnamigen, australischen Film von 1989: 'Jugger - Kampf der Besten'. In dem Film verdienen die umherziehenden Jugger ihren Lebensunterhalt, indem sie Wettkämpfe mit äußerster Brutalität austragen. Vor acht Jahren kamen Spieler auf die Idee, die in dem Film vorgestellte Sportart in die Wirklichkeit zu übertragen. Allerdings als ungefährliche Version und mit gepolsterten Spielgeräten, den Pompfen. Da die Grundregeln recht simpel sind und das Spiel schnell erlernt ist, findet es immer mehr Anhänger. Etwa 40 Jugger-Teams gibt es mittlerweile deutschlandweit.

Laut Michael Schirp vom Deutschen Olympischen Sportbund passiert es immer wieder, dass neue Sportarten entstehen. 'Neue Sportarten gehören zum Menschen, weil er immer auch 'Homo ludens' ist - er möchte spielen', sagt Schirp. 'Jede Generation weltweit erfand und erfindet immer neue Varianten von bestehenden Spielen oder auch völlig neue Formen.' Bis sich so ein Spiel als anerkannte Sportart auch beim Olympischen Sportbund durchsetzt, ist es ein weiter Weg. 'Unsere Aufnahmeordnung nennt beispielsweise feste Spielregeln, ein Wettkampfsystem, Gemeinnützigkeit, die Achtung von Fair Play und Gegner, eine Mindestzahl an Mitgliedern, Regionalverbände, Jugendarbeit und vieles mehr', sagt Schirp.

So weit sind die Jugger noch nicht, obwohl sie mittlerweile sehr organisiert sind. Da gibt es Treffen mit anderen Teams aus umliegenden Städten, regelmäßige Turniere und Meisterschaften. Nur Frauen sieht man bei den Juggern eher selten, wobei sich auch das langsam ändert. 'Bei uns im Team spielen zwei Frauen mit, die sind nur heute leider nicht da', sagt Alexander Gohr, ebenfalls Mitglied bei Cervisa Ultima. Jeden Samstag trainieren die 10 bis 16 Spieler auf dem Rasen vor dem Jugendzentrum in Duisburg - auch im Winter. 'Da muss man schon hart im Nehmen sein, aber wenn man sich bewegt, ist einem ja warm', sagt Gohr. Sogar aus Essen und Bochum kommen einige der Mitspieler angereist. Und weil der Sport immer bekannter wird, wird es demnächst nur noch wenige zufällige Besucher wundern, wenn eine laute Stimme über den Duisburger Rasen schallt und das Startsignal für die nächste Runde gibt: 'Drei, zwei, eins: Jugger!'

dapd